Brechts vergebliche therapeutische Mission
Brechts vergebliche therapeutische Mission
Ruth, Bertolt, Michel und der Tod: Bertolt Brechts vergebliche therapeutische Mission
Der Tod hat nicht nur im Verhältnis Brechts zu Margarete Steffin eine wichtige Rolle gespielt, sondern auch in dem zu Ruth Berlau. Das betrifft nicht nur den Tod des gemeinsamen Kindes Michel, sondern auch eine latente Selbstmordgefährdung Ruth Berlaus. Ihre Mutter und ihre Schwester Edith hatten einen Selbstmordversuch im Zusammenhang mit gescheiterten Liebesbeziehungen begangen. Edith war in die Mühlen der Psychiatrie geraten, eineinhalb Jahre später für schizophren erklärt und im Herbst 1933 auf unbegrenzte Zeit in die geschlossene Abteilung einer Nervenklinik eingewiesen worden. Das tragisch besiegelte Schicksal der Schwester deprimierte Ruth Berlau auch deshalb, weil sie selbst an Nervenkrisen litt und bei sich ebenfalls schizophrene Züge festzustellen meinte. Zwar lebte sie im Gegensatz zu Edith in einer bürgerlich gesicherten Ehe, aber Liebesprobleme hatte sie auch. Ihr Mann, der Hals-Nasen-Ohrenexperte Robert Lund beschäftigte sich ihrer Meinung nach nicht genug mit ihr.[1] Er leitete ein Hospital, betrieb eine Privatpraxis und ging Hobbys nach. Es steht außer Frage, daß Lund Berlau sehr liebte. Aber daß er ihr die vielen Freiheiten, die sie verlangte auch gewährte, hielt sie für ein Zeichen, daß er sie nicht tief genug liebte.
Die heutige Psychatrie könnte bei Ruth Berlau ein Borderline-Syndrom vermuten. Sie suchte Leidenschaft und symbiotische Nähe bald außerhalb der Ehe. Weil sie schön und anregend wirkte, konnte sie das Schicksal immer wieder herausfordern, aber Liebe, wie sie sie sich wünschte, fand sie nicht. Den sie anbetenden Freund Mogens Voltelen – der sich später wie sie zu einem emsigen Helfer Brechts entwickeln sollte – nahm sie am 25. Oktober 1933 brieflich das Versprechen ab, sie zu erschießen, falls sie wahnsinnig werde.[2] Diese Stimmungslage wurde verschärft, weil sie nach ihrer Schauspielausbildung zunächst keinen Vertrag vom Königlichen Theater bekommen hatte. Auf der Bühne litt sie an schweren Konzentrationsschwierigkeiten, die ihr auch schon andere Berufsversuche vereitelt hatten. (Konzentrationsschwäche ist ein häufiges Symptom bei Borderlinern.) Ihre Regieaktivität mit Arbeiterlaientheatern bot keine berufliche Perspektive mit finanzieller Unabhängigkeit.
In dieser schwierigen Situation lernte sie Brecht kennen. Eine Liebesbeziehung entwickelte sich erst zweieinhalb Jahre später, weil er sie lange abwehrte. Berlau war sich indes sicher, endlich den Menschen gefunden zu haben, dem sie sich mit Leib und Seele hingeben konnte. Weil sie um ihn kämpfen mußte wie um keinen Mann zuvor, fühlte sie sich diesmal nicht als Objekt, sondern auch als Subjekt. Damals schickte er ihr ein Gedicht:
Einmal nur über dem Pfühle
Sah er dies Pfirsischgesicht
Sah es mit dem Gefühle:
Zweimal sieh du es nicht.[3]
Damit hätte ihr klar werden müssen, daß Brecht eben so wenig wie Robert Lund symbiotische Liebeswünsche hegte. Die Spontaneität und Leidenschaftlichkeit, die von ihr ausgingen, waren ihm nicht geheuer. An Frauen schätzte er wie an Männern, wenn sie der Vernunft gegenüber dem Gefühl Vorrang einräumten – was für ihn die Grundlage jeglicher Produktivität war. „Tue mir also den Gefallen und liebe mich nicht zu sehr“[4], dichtete er später für Ruth Berlau.
Es war wohl weniger ihre Schönheit und ihr Eifer, von ihm zu lernen oder ihm behilflich zu sein, weshalb Brecht seinen Widerstand gegen ein Liebesverhältnis 1936 aufgab. Ausschlaggebender war sicher, daß sie Probleme aufwarf, die ihn als ungelöste Widersprüche der weiblichen Existenz interessierten: die durch finanzielle Abhängigkeit vom Mann oft hoffnungslos erschwerte sexuelle Selbstbestimmung. Der größte Widerspruch von Berlaus Leben war die von ihr als unhaltbar empfundene Ehe mit Lund. Daß sie diesen gütigen Mann vor allem aus finanziellen Gründen nicht verlassen konnte, nagte an ihrem Selbstwertgefühl. Allein konnte sie ihren Lebensunterhalt aber nicht bestreiten und keines ihrer anderen Liebesverhältnisse hatte eine Alternative ergeben.
Daß sie Brecht gestand, der einzige Mann zu sein, der sie sexuell befriedige[5], frappierte ihn. Wieso schlief sie mit Männern, wenn sie nichts dabei empfand? Sein Erstaunen spiegelt sich in dem Gedicht Wenn sie trinkt, fällt sie in jedes Bett. Danach behauptete sie, daß ihr andere Männer, mit denen sie unter Alkoholeinfluß schliefe, nichts bedeuteten. Das Gedicht äußert jedoch den Verdacht, daß sie vielleicht auch trinke, wenn sie Lust auf einen bestimmten Mann hätte.[6] Darin kommt die Vermutung zum Ausdruck, daß Sex wie das Trinken eine Droge für sie war. Aus Brechts Sicht war es das Wechselspiel von Existenzsorgen und Drogen, das ihr die Konzentration raubte und sie an der vollen Entfaltung ihrer Talente hinderte. Mit Alkohol, Zigaretten, Medikamenten und Sex kämpfte sie auch gegen die Angst, auf ähnliche Weise durchzudrehen wie ihre Schwester.
Seit der Jahrhundertwende war es immer mehr zum Gemeinplatz der Linken geworden, daß Menschen mit psychischen Störungen oder angeblich anormalem sozialem Verhalten nicht in Kliniken oder Gefängnisse eingesperrt werden dürften. Auch Brecht meinte, daß sie ins normale Leben integriert werden sollten, möglichst in einen Arbeitsprozeß. Was hieß überhaupt ´psychisch gestört`? Was hieß ´normal`? Steckten hinter solchen Begriffen nicht zweifelhafte Maßstäbe? Fritz Langs Film M - eine Stadt sucht einen Mörder suggerierte 1930 durch die große Kunst Peter Lorres, daß sogar ein Sexualverbrechen auf soziale Ausgrenzungen zurückzuführen sein kann. Karin Michaelis, die damalige Wohltäterin der Familie Brecht –Weigel, holte besonders gewitzte Diebe aus dem Gefängnis und suchte für deren Intelligenz neue Betätigungsfelder. Margarete Steffin hat ein Manuskript hinterlassen, in dem ein Leningrader Straßenkind durch Aufnahme in eine Familie und eine Ausbildung den Weg ins ordentliche sowjetische Leben fand.[7] Berlau selbst schilderte in ihrem Roman Videre [8]den Bau des Weißmeerkanals durch Sträflinge nicht unter dem Aspekt der ihr wohl unbekannten schrecklichen Lebensbedingungen, sondern ebenfalls als eine Resozialisation, die sinnvoller als Haft war.
Für Brecht stand es außer Frage, daß sich die aktive und engagierte Ruth Berlau, die zwar ein Alkoholproblem und ein unbefriedigendes Liebesleben hatte von ihren Ängsten befreien könne. Auch Konzentration ließ sich seiner Auffassung nach erlernen. Und in ihrem sprunghaften Wechsel von Stimmungen und Haltungen, den die Psychiatrie damals wahrscheinlich als schizophrene Tendenz bezeichnet hätte, sah er wohl eher eine Vorform dialektischen Denkens. In der Kulturszene der Weimarer Republik wurde Schizophrenie häufig als Veranlagung zu künstlerischem Ausdruck positiv gewertet. Die faschistischen Bewegungen vertraten allerdings die seit der Jahrhundertwende in vielen Ländern bestehende Gegenposition der „Pychohyghiene“ und der Eugenik. Zusammenfließen von Kunst und Wahn galt hier als ungesund und konnte später zur Begründung von Euthanasie herhalten.
Gespräche über das Schicksal der Schwester, von dem sie ständig fürchtetet, daß es auch das ihre werden könnte, führten Mitte der dreißiger Jahre zu einem ersten Projekt der Zusammenarbeit. Damit Ruth Berlau das Schicksal ihrer Schwester nicht länger wie ein eigenes Trauma mit sich herumtrug, schlug Brecht eine literarische Verarbeitung vor. Aus den Gesprächen über Edith entstand die Novelle Regnen (Regen). Sie erzählt die Liebesgeschichte einer Studentin zu einem Regierungsbeamten. Sie meint zunächst, ertragen zu können, daß er verheiratet ist. Der Mann hat ihr eine große elegante Wohnung gemietet, schämt sich aber, mit ihr in der Öffentlichkeit. Nachdem er ihr vorgeschlagen hat, ihn auf einen Kongreß nach Brüssel zu begleiten, reist er schließlich doch mit seiner Frau, da diese mit Selbstmord droht. Für die Studentin ist das Anlaß zum Bruch. Die beiden machen eine Abschiedsreise nach Malmö. Auf der Rückfahrt beschließen sie, sich zwei Jahre nicht zu sehen und dann zu prüfen, ob sie die Beziehung wieder aufnehmen können. In dieser Zeit will sie sich für ihren Freund „emanzipieren“, d. h. ihr Studium abschließen und eigenes Geld verdienen. Während diese Verabredung getroffen wird, spürt sie, wie ihr Körper vollkommen steif wird – eine Reaktion auf große innere Spannung, die die Psychiatrie als „Stupor“ bezeichnet. Monatelang versucht die Studentin vergeblich, sich von ihrem Geliebten zu lösen. Statt dessen gerät sie in eine Nervenkrise. Ihr Ziel, sich „für ihn“ zu emanzipieren, erscheint aussichtslos, weil sechzig Prozent der Universitätsabsolventen keine Arbeit finden. Sie fragt sich, ob sie in Wirklichkeit nicht doch die Heirat, die materielle Versorgung brauche und anstrebe. „Es ist, als wenn man sich durstig über einen Brunnen mit Wasser beugt, um davon zu trinken, aber je tiefer man sich hinunter beugt, um so mehr weicht der Wasserspiegel zurück.“[9] Die Studentin begeht Selbstmord.
Soweit die Fabel von Regnen. Eine zweite Ebene dieser nur dänisch publizierten Novelle enthält Bruchstücke Brechtscher Liebes- und Gesellschaftsphilosophie. Sie werden teils als Meinung der Erzählerin ausgegeben, tauchen aber auch im Tagebuch der toten Studentin auf, wenn sie versucht, ihre Situation rational zu analysieren. Sie fragt sich, ob es nicht die fehlende Solidarität in der Gesellschaft ist, die in vielen Menschen einen fast religiösen Glauben an die Macht der Familien- und der Geschlechtsliebe hervorruft. Die Probleme der Konkurrenzgesellschaft erzeugen unstillbare Sehnsucht nach „Liebe ohne Abstand“, können aber im privaten Raum nicht gelöst werden. „Zwei Herzen, die einander gefunden haben“, richten gegen die Arbeitslosigkeit nichts aus. Statt dessen kann die zu enge Verquickung der Probleme des Sozialen mit dem Privaten die Harmonie des Liebesakts stören. Den Umzug von einer Fünf- in eine Zweizimmerwohnung halte nicht jede Liebe aus, heißt es einmal. Um den Liebesakt zu entmystifizieren, wird die Ehedefinition Kants zitiert über den „wechselseitigen Gebrauch, den ein Mensch von eines anderen Geschlechtsorganen und Vermögen macht“. Kants Definition[10], so reflektiert die Erzählerin, bekomme in der zugespitzten Konkurrenzgesellschaft nicht weniger, sondern mehr Bedeutung, wenn auch eine negative. Die eigentliche Geschlechtsliebe werde immer weniger realisiert, sechzig Prozent der Frauen habe kein Lustempfinden in der Liebe. Freud habe schon das Ende der menschlichen Sexualität überhaupt befürchtet.[11]
Brecht riet Berlau auch zu einer soziologischen Untersuchung, nämlich die Schicksale von Ediths Mitpatientinnen zu erforschen. Die meisten Frauen sollen ökonomische Probleme angegeben haben. Danach folgten Probleme des Liebeslebens, häufig sexuelle Frustration.[12] Aus diesem Material entstand die Novellensammlung Jedes Tier kann es, deren dänische Version auch die Novelle Regnen über Ediths Schicksal enthält.
In meiner Biographie Ruth Berlaus[13] konnte ich zeigen, daß die gemeinsame Arbeit an dem Band und ganz besonders an dieser Novelle Brechts Funktion als selbsternannter Therapeut Ruth Berlaus begründete. In seinem Gedicht Die Krücken, in dem er ihr mangelnden Mut vorwirft, sich endlich aus ihrer Ehe zu lösen, bezeichnet er sich selbst als „Arzt“, der ihr lachend die Krücken aus den Händen reißt.
In Regnen wurde die Studentin durch ihren Geliebten aufgefordert, die Stirn nicht in Falten zu ziehen, um sich aus einer Verspannung zu lösen. Dieselbe Ermahnung richtete Becht immer wieder an Ruth Berlau: in vielen Briefen, im Gedicht und zweifellos auch mündlich. Das weist auf seine Verankerung im Behaviorismus, einer von dem Amerikaner Watson[14] entwickelte Verhaltenslehre, die in den zwanziger Jahren in Deutschland zu Einfluß kam und bis heute in der Verhaltenstherapie fortwirkt. Der Behaviorismus war 1931 als Thema in einem von Brecht und Benjamin geplanten Marxistischen Clubs vorgesehen. Vortragender sollte der befreundete Kultur- und Literaturkritiker Armin Kesser sein.[15]
Der Behaviorismus wollte psychischen Problemen nicht mit Isolation, sondern durch neue Formen der Sozialisation begegnen, die dem Kranken eine aktive Rolle zuwiesen. In einem am 20. April 1934 im Ekstrabladet gedruckten Interview nannte Brecht den Behaviorismus eine „ganz neue Psychologie“. Im Unterschied zur „introspektiven seelischen Tiefenforschung früherer Psychologen“ gründe er sich „ausschließlich auf die nach außen tretenden Wirkungen der menschlichen Psyche – das Verhalten des Menschen.“[16]
Im Konstatieren des engen Zusammenhangs zwischen Ursprungsmilieu und Individualität differieren Psychoanalyse und Behaviorismus nicht. Watson meinte aber, daß die von der Psychoanalyse etablierte Methode der rationalen Auswertung einer seelischen Tiefenschau nicht ausreiche. Brecht folgte ihm darin, daß neues Verhalten auch durch Üben und praktisches Handeln des Körpers stimuliert werden müsse. Dadurch würden, so meinte er, neue Reflexe und sogar chemische Prozesse erzeugt. Mit seiner Vorstellung, daß der Mensch nicht nur sich selbst, sondern auch seine Umwelt aktiv verändern könne, ging Brecht dann aber über Watson hinaus.
Die Bedeutung des Behaviorismus für ihn wurde bislang nur für seine Theaterpraxis erkannt. Er etablierte eine enge Beziehung zwischen Denken, Gestus und Handeln. Armin Kesser notierte am 21. 12. 1931 anläßlich der Uraufführung von Brechts Mahagonny, daß dieses Werk „den Gestus als bestimmendes Mittel“ einführe. „O, dass die Geste zugleich mit dem Wort verfallen ist!“ [17] Brechts Behaviorismus kommt auch in der Beobachtung Ruth Berlaus zum Ausdruck. Er habe besonders jungen Schauspielern immer wieder Gestisches vorgemacht: „den Gang der Müdigkeit oder den Gang der Sinnlichkeit, den Gang der Eitelkeit oder den Gang der Beleidigten. Damit verschafft er dem Schauspieler eine Grundlage, denn der Gang ist die Haltung.“[18] Die Änderungen einer Inszenierung kam bei ihm durch raschen Übergang von der Diskussion zum Ausprobieren zustande.
Auch im wirklichen Leben glaubte Brecht an einen engen Zusammenhang zwischen Gestik und geistiger Verfassung, durch deren Tag auf Tag folgende Summierung sich die Geschichte des Individuums als eine eng verwobene Geschichte des Körpers und des Geistes ergibt. Den engen Bezug, den die Behavioristen zwischen Individualität und Ursprungsmilieu eines Menschen sahen, gab er in den Versen Ich weiss: wenn ich nicht funktioniere wieder. Hier geht es um eine Person, die aus der Ober- oder Mittelschicht stammt und versucht, die Klassengrenze zum Proletariat zu überschreiten. Die Peron wurde aber nur zu einer neuen Weltanschauung „überredet“, die sie psychisch nicht verinnerlichen kann. Obwohl die Person nicht mehr an Gott glaubt, erzeugen Kirchenglocken – vermutlich auf Grund einer chemischen Reaktion – einen Pawlowscher Reflex, der ähnliche Gefühle auslöst wie vor der „Überredung“. Wenn die Person im Sinne ihrer neuen Weltanschauung „richtig“ handelt, wird sie selber „unrichtig“. Und das erzeugt bei ihr eine Krankheit.[19] Dieses Gedicht könnte sich auf Edith Berlau beziehen, genauer auf die Nachricht, die sie Ruth hinterließ, bevor sie ihren Selbstmordversuch unternahm: Zwar sei sie Kommunistin, ihr Nervensystem sei aber konservativ geblieben.[20] Die Erstschrift des Gedichts befindet sich auf einem von zwei Notizblöcken, die in Deutschland begonnen und im dänischen Exil weiter beschrieben wurden. Sie enthalten u. a. mehrere Bemerkungen zum Behaviorismus, aber auch weitere Handschriften von Gedichten, die mit Sicherheit in Hinblick auf Ruth Berlau entstanden.[21]
Denken galt Brecht erst als vollendet, wenn es einen körperlichen Ausdruck gefunden hatte. Umgekehrt war für ihn Haltung, Stimme, der körperliche Ausdruck insgesamt ein Zeichen für den geistigen Zustand eines Menschen. Wie die Behavioristen war er aber auch überzeugt, daß sich über eine bewußt eingenommene Körperhaltung sowohl psychische als auch somatische Leiden beeinflussen lassen: „Weinen entsteht durch Trauer“, behauptete er, „aber es entsteht auch Trauer durch das Weinen“.[22] Umgekehrt meinte er, daß man Heiterkeit selbst produzieren könne und müsse, eine Mahnung, die er immer wieder an Ruth Berlau richtete.[23] Und eine bewußt hergestellte glatte Stirn, meinte er, helfe dem Denken, Depressionen zu überwinden und aus Sackgassen herauszufinden.
In den damals entstehenden Me-ti-Geschichten bittet Lai-Tu den Dichter Kin-Jeh: „Lehre mich“. Das betraf nicht nur politische und literarische Haltungen, sondern eben auch die Frage, wie sie dem Schicksal ihrer Schwester entgehen könnte, mit der sie sich – nicht zu Unrecht – stark identifizierte. Der autoritäre Gestus der Lai-Tu-Geschichten ist verständlicher, wenn man ihn als Basis eines Therapievertrages versteht, der schon vor Beginn der Liebesbeziehung zustande kam, mit deren Aufnahme aber zu ihrer Bedingung von Brechts Seite wurde. Ruth Berlau sollte lernen, Gefühle unter Kontrolle des Verstandes zu bringen. Me-tis Mißtrauen gegen Gefühle rührte aus der Erfahrung, daß sie leicht manipuliert werden können. Er war nicht gegen Gefühle an sich, sondern nur gegen ihren Überschwang. Wer meine, es gäbe Gefühlsbewegungen ohne Vernunft und umgekehrt, verstehe unter „Vernunft etwas Falsches“.[24] Brecht hatte sich schon als Jugendlicher auferlegt, Gefühlsüberschwang zu meiden. Als er die Mattäuspassion in der Augsburger Barfüßerkirche gehört hatte, beschloß er, künftig dem „Stupor“ auszuweichen, „in den man da verfiel, dieses wilde Koma“.[25]
Der Therapievertrag war zunächst erfolgreich. Ruth Berlau konsolidierte sich in ihrer Arbeit als Schauspielerin. 1938 faßte sie auch als Sprecherin und Rezitatorin im dänischen Rundfunk Fuß. Nachdem die professionellen Inszenierungen von Die Rundköpfe und die Spitzköpfe und Die sieben Todsünden der Kleinbürger durch anhaltende Proteste dänischer Nazis gestoppt wurden, waren Ruth Berlaus Inszenierungen von Szenen aus Brecht-Stücken mit Arbeiterlaien die einzige Möglichkeit für ihn, aktuelle Arbeiten in seinem Exillandes auszuprobieren. Berlau zog von Lund weg und führte nun ein selbstbestimmtes Leben zwischen Kopenhagen und Skovsbostrand.
Das für sie um Pfingsten 1940 beginnende Exil zeigte jedoch umgehend, daß ihre Selbständigkeit fragil war. Losgelöst von ihrer schwer erarbeiteten beruflichen Konsolidierung meldete sich das symbiotische Liebesbedürfnis mit voller Kraft zurück. In einem in Finnland entstandenem Text über ihre nächtliche Zugreise von Malmö nach Stockholm erzählte sie einen bizarren Wachtraum. Im Dunkeln hörte sie Herzschläge, die nicht die ihren zu sein schienen. Sie griff nach dem anderen Herzen, konnte es aber nicht finden. Ihr war, als befinde sie sich in einem Schneetreiben. Das Schlagen des Herzens wurde mehr und mehr von den Schellen eines Schlittens übertönt, der an sie heranfuhr. Auf diesem Schlitten lag das Herz, sie drückte es an sich, spürte Wärme und Glück. Aber als sie es öffnen und hineinschauen wollte, zerprang es in viele Stücke, die der Wind davontrug. Während sie die blutigen Splitter des zersprungenen Herzens weinend aufsammelte, kam ein neuer Schlitten mit einem neuen Herzen herangefahren. Auch dieses Herz ergriff sie, um es zu öffnen. Jedoch konnte sie es ebenso wenig halten wir das erste Herz: „Aber diesmal floh das Herz, fuhr mit Schellengeklingel im Schlitten davon. Ich war steif vor Kälte, ich konnte nicht einmal meine Augenlider bewegen, aber meine Augen waren offen, ...“ Es schien ihr, daß das flüchtige Herz gelacht hatte: “Zwei lange schmale Hände reichten mir Vaters schwarze Bibel und eine Stimme sagte mir, ich solle schwören zu vergessen, daß ich liebe, aber ich konnte keine Bewegung machen. Der Schlitten fuhr hin und her und darin war das lachende Herz. Ich war sicher, daß es sein Herz war, und war mir auch sicher, daß ich es geöffnet hätte, wenn ich es nur hätte ergreifen können, aber das konnte ich nicht, denn ich war steif vor Kälte. ... Erst auf dem Schiff zwischen Stockholm und Turku wurde mir klar, daß ich gerade deshalb auf dem Weg nach Finnland war, um sein Herz zu öffnen.“[26]
Es scheint, daß Ruth Berlau im Zug zwischen Malmö und Stockholm einen Angsttraum über ihre Liebeswünsche zu Lund und Brecht hatte und dabei einen Stupor erlitt. Wenn sie bis dahin die Präsenz von Helene Weigel und Margarete Steffin in Brechts Leben hingenommen hatte – schließlich war auch sie noch verheiratet und diesem oder jenem erotischen Abenteuer nicht abhold gewesen – jetzt wollte und mußte sie Brecht ganz für sich erobern. Es war aber nicht vordergründiger Provokationsgeist, sondern tiefe psychische Not, daß sie in Finnland überall, wo sie mit Brecht auftauchte – unabhängig davon, ob Weigel und Steffin anwesend waren, offen als seine Geliebte auftrat. Damit erzeugte sie peinliche Situationen, die die Solidarität, die Gruppe benötigte, oft gefährdete. Hella Wuolijoki, die sie anfänglich im Gutshaus aufgenommen hatte, warf sie hinaus. Daraufhin schlief Ruth Berlau in einem Zelt, das sie im benachbarten Wald aufschlug. Den Mut dazu verschaffte sie sich durch Obstbranntwein, womit sie weitere Skandale hervorrief. Daß Brecht ihr – aus Rücksicht gegenüber der Gastgeberin, seiner Frau und der anderen Geliebten – sexuelle Abstinenz vorschlug, versetzte Berlau noch mehr in Panik. An Voltelen schrieb sie damals, ihr ginge es „ganz fürchterlich heute, ach, Mogens, es ist und bleibt schrecklich, 4. Rad von jemandem zu sein, ich weiß nicht weiter. Wenn wir nur etwas zusammen jammern könnten. ... Der Fluß hat auf mich im Augenblick eine gewisse Anziehungskraft.“[27]
In den schweren Auseinandersetzungen mußte Brecht erkennen, daß die Wirkung seiner Therapie in der Extremsituation des Exils verflogen war. Ruth Berlau hatte noch eigenes Geld, befand sich aber in einer psychischen Abhängigkeit von ihm, die das Gegenteil von dem darstellte, was er sich unter einer Beziehung zu einer Frau vorstellte. Sie war nicht nur seine „Kreatur“, sondern wollte auch gar nichts anderes sein. Jetzt erwies es sich als fatal, daß er offenbar die eiserne Grundregel jeglicher Therapie nicht kannte: Therapeut und Liebhaber dürfen nicht dieselben Personen sein, weil so keine Genesung, sondern neue und tiefere Abhängigkeit entsteht.
Im Winter 1940/41 wuchs nicht nur die Sorge um Steffins immer fragilere Gesundheit. Ruth Berlau drohte mehr oder weniger direkt mit Selbstmord, sobald sie Zweifel an Brechts Zuwendung bekam. Als er wegen eines Ischiasanfalls wochenlang das Haus nicht verlassen konnte, Helene Weigel ihr aber den Zutritt verweigerte, litt sie Höllenqualen und versuchte, sich mit Medikamenten oder Drogen zu betäuben. Brecht beschwor sie brieflich, „keine Pulver“ [28] einzunehmen.Das Borderline-Syndrom scheint nun völlig ausgebildet zu sein: Wohlfühlen können sich solche Kranke nur, wenn der geliebte Mensch im selben Raum ist. Ist er außer Sichtweite, entsteht nicht nur äußerstes Mißtrauen, sondern psychisches Leiden, das bis zur Wahrnehmung körperlicher Schmerzen führt. Für Berlau stellte es eine extreme Belastung dar, daß ihr Wunsch, mit Brecht auch räumlich eng zusammen zu leben, nie in Erfüllung ging. Ihr sehr komplexe Krankheitsbild hatte die damalige Psychiatrie allerdings noch nicht definiert, auch Brecht konnte es nicht kennen. Er wußte keine andere Lösung, als immer wieder an Ruth Berlaus Vernunft zu appellieren.
Um ein zweites Sterben einer Begleiterin im Exil zu vermeiden, war Brecht fortan erpreßbar. In Santa Monica, am 21. Juni 1942, notierte er, daß er kürzlich nachts im dunstigen Himmel das Sternbild Orion zu sehen meinte, das ihn – ähnlich wie Kassiopeia mit Berlau – mit Steffin verbunden hatte. Dabei kam ihm der Gedanke, daß man „die Freundlichkeit, die man zu Gestorbenen gefühlt hat, auf Lebende übertragen“ solle.[29] Die Geduld, die er Berlau gegenüber hegte, entsprang nun weniger einer ungebrochenen Zuneigung als einem Verantwortungsgefühl. Davon zeugt auch das Gedicht: Auch das Beschädigte / Nimm es in Kauf.[30] Er liebte sie mehr und mehr wie ein Kind, das sich aus Krankheits- oder anderen Gründen nicht in die Richtung entwickelt, die man erwartet hat. Bekanntlich werden solche Kinder ganz besonders geliebt. Um sich jedoch vor dem Übermaß der Ansprüche Berlaus zu schützen, schlug er immer öfter autoritäre Töne an. Aber nie hörte er auf, auch ihre Vernunft anzusprechen. Kurz vor Ende eines längeren Besuchs Brechts in New York im März 1944 verbrachten beide einen Abend zusammen mit Karl Korsch: „Das war übrigens der Abend, wo Elisabeth Bergner mich zu einem Arzt geschickt hatte. Ich glaubte, daß ich ein Kind bekommen würde, wußte es aber noch nicht genau; er hatte eine Blutprobe gemacht. Ziemlich spät abends klingelte dann das Telephon. Es war der Arzt. Ich hatte am Telephon nur einen ganz kurzen Satz gesagt, aber als ich wieder zu Tisch kam, trafen sich nur unsere Augen und Brecht wurde sehr froh.“[31]
Daß Brecht „sehr froh“ gewesen sei, ist vielleicht übertrieben. Im Gegensatz zu anderen Gerüchten hatte er die Entscheidung über den Abbruch oder das Austragen von Schwangerschaften jedoch stets den Frauen überlassen. Vielleicht dachte er, daß die Verantwortung für ein Kind Berlaus seelische Lage stabilisieren könne. Der erste Brief, der auf ihre Schwangerschaft Bezug nimmt, stammt vom 29. März und klingt heiter: „Hast Du angefangen mit dem [Sailor-]Roman? ... Darf ich Dir den militärischen Befehl geben, daß Du zwei Stunden im Tag schreibst? Sonst wird Simone faul, Du. // d // bertolt“. Das Postscriptum verrät, daß sie sich darauf geeinigt hatten, das erwartete Mädchen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung der Kinder zu begreifen, die Brecht mit Weigel hatte. Er dankte Berlau ausdrücklich, daß sie mit ihm zusammen Geschenke für Stefan und Barbara gekauft hatte.[32] Am 14. April schrieb er „Für Simone mußt Du alles machen, was nötig ist. Und mit der Gesundheit darfst Du nicht sparen, auf gar keinen Fall. Du mußt auf Dich achtgeben.“ Namenspläne für das Kind änderten sich noch mehrfach. Am 13. Mai schrieb er: „Hast Du Dich untersuchen lassen wegen Maria? Das mußt Du. ... Bitte schreib mir gleich darüber.“[33] Ruth Berlau gab Bunge später an, daß ein Mädchen Susanne, ein Junge Michel heißen sollte.[34] Berlau scheint die Hoffnung auf das Kind in gute Stimmung versetzt und tatsächlich auch beim Arbeiten beflügelt zu haben. Sie begann einen Fotokurs bei Josef Breitenbach. Brecht ermunterte sie weiterhin zu eigenen Arbeiten, besonders zu ihrem Seemannsroman. Am 5. April schrieb er, daß er auch ihre Idee, „einen Roman aus dem Kinderkreuzzug zu machen,[...] herrlich“ fände. Sie solle sich nicht um seine Theorien scheren, sondern „ganz frei vorgehen“.[35] Vor seiner Abreise hatten sie zusammen den Kreidekreis begonnen. Später arbeitete sie per Korrespondenz an der Ausarbeitung einiger Szenen mit.[36]
Das heranwachsende Kind schien bei Brecht die Hoffnung zu erzeugen, daß die Last des symbiotischen Liebesverlangens, die sich bislang auf ihn konzentriert hatte, von einem anderen Wesen mitgetragen und damit leichter werden könnte. Jedenfalls wuchs auch seine Vorfreude. Als Berlau ihm ein paar auf schwarzes Papier geklebte Fotos von Müttern mit Kindern geschickt hatte, antwortete er, daß er sich „seit langem nicht so gefreut“ habe und inspiriert worden sei, sofort „noch drei schwarze Blätter mehr zuzuschneiden und persische und chinesische Reproduktionen aufzukleben mit Szenen wie aus dem Stück. Und jetzt wäre ich so drauf aus, sie Dir schnell zu zeigen, Liebe!“[37] Daß Berlaus Schwangerschaft mit dem Schreiben eines Stücks parallel ging, in dem die soziale gegenüber der biologischen Mutterschaft aufgewertet wurde, erscheint nur rückblickend merkwürdig. Damals gelang es durchaus, Berlaus biologischer Mutterschaft viel positiven Sinn zu geben, gerade im Zusammenhang mit dem Stück: „Meinst Du denn, im 3. Akt fehlt eine Szene über ihre Liebe zum Kind? (Ende des 2. Akts genügt wohl nicht, wie?) - Gibst Du acht auf Dich? Läßt Du die Blutzusammensetzung beobachten? Ißt Du gut?“[38]
Immer wieder drängte Brecht auf Kontrolle der Blutwerte, die Unregelmäßigkeiten aufwiesen. Im fünften Schwangerschaftsmonat wurde ein Gebärmuttertumor festgestellt, der rasch entfernt werden mußte. In Panik geraten fuhr sie nach Santa Monica. „Ich kam sehr früh mit dem Zug an. Weil ich wußte, daß Brecht früh aufstand, rief ich um 7 an. 10 Minuten nach 7 war er da.“[39] Laut FBI-Bericht wohnte sie ab 26. Juli im Chalet Motor Hotel auf dem Wilshire Boulevard. Ein „kleiner Mann mit schwarzem Haar“, der ein „Wrack von Auto“ fuhr und „hartes Englisch“ sprach, hätte ihr Gepäck gebracht und ihre Rechnungen bar bezahlt. Dem zum Hotelpersonal gehörenden Informanten hatte Berlau erzählt, daß sie in die USA geflohen sei, nachdem ihr dänischer Ehemann in Norwegen in Gefangenschaft geriet.[40] Einen Soldaten als Vater anzugeben, war ein im Krieg häufig angewandter Trick, um den Status einer unehelichen Geburt aufzuwerten. Brecht wollte den Kreis der Menschen klein halten, die über das gemeinsame Kind Bescheid wußten. Aber einem FBI-Bericht zufolge fanden bei seinem Ende Juli eingetroffenen „girl-friend“ viele politische Diskussionen mit Freunden statt.[41]Der Termin für die notwendige Tumoroperation wurde in den siebenten Schwangerschaftsmonat verzögert, wahrscheinlich, um dem Kind eine Lebenschance zu geben. Während Ruth Berlau die Bewegungen des Kindes spürte, mußte sie zugleich um sein und ihr eigenes Leben bangen. Nach der Journalnotiz Brechts vom 31. 8. 1944 konnte sie sich mit nichts anderem als mit diesem Gedanken beschäftigen.[42] Weil er ihr immer wieder vorschlug, sich durch Lesen oder Musik abzulenken, erschien er ihr gefühllos und fremd. Aber wenn er nicht da war, wurde ihre Angst noch unerträglicher. Das FBI vermerkte, daß sie einmal den sozialen Hilfsdienst der Polizei anrief.
In der jüdischen Klinik Cedars of Lebanon in Los Angeles gab sie als Vater einen neununddreißigjährigen Dänen namens Michel Berlau an. Hier wurde am 3. September versucht, per Kaiserschnitt Operation und Geburt zu verbinden, ein sehr schwerer Eingriff, der auch für eine stabilere Person als Berlau prekär gewesen wäre. Weil Brecht als Freund und nicht als Vater auftrat, durfte er sie nicht sehen und bekam keine Auskünfte. Nachdem er mit Dr. Rosenbaum gesprochen hatte, von dem das FBI vermerkte, daß er Mitglied der KP war, konnte er tags darauf doch zu ihr. Mit weißem Kittel und weißer Mütze betrat er den Raum, in dem Ruth Berlau in einer künstlichen Lunge lag, von der aus sie die Außenwelt kaum wahrnehmen konnte. Sie glaubte, im Sterben zu liegen.
Brecht kam jeden Tag. „Davon hatte ich aber nicht viel [...]. Er erzählte mir aber, daß ich immer sehr lustig gewesen sei, aber natürlich immer nach Michel fragte.“[43] Als es ihr etwas besser ging, kam ein Arzt zu ihr, der von Peter Lorre geschickt worden war. Weil sie immer noch in dem Sauerstoffgerät lag, konnte sie nur seinen Schlips sehen, „als er sehr behutsam begann, er müsse mir etwas erzählen. Ich sagte: ´Ich weiß schon, Michel ist gestorben.`“ Damit sie zu Kräften kommen konnte, hatte man ihr verschwiegen, daß das Kind nur einen Tag gelebt hatte. Brecht sagte ihr später, daß er seinen Sohn im Raum für Frühchen betrachtet hätte. Durch die FBI-Akten erfahren wir, daß es ausgerechnet Helene Weigel war, die am 4. September – wahrscheinlich während Brecht bei Berlau war – telephonisch die Nachricht von Michels Tod entgegen nahm.[44] Eisler erzählte, er habe durch seine Frau und die Weigel erfahren, daß Brecht von Berlau ein Kind bekommen habe, das gestorben war. Ob sie am Leben bliebe, sei ungewiß. Brecht selbst sei in diesen Tagen verwirrt und nicht ansprechbar gewesen.[45]
Wie immer, wenn ihm selbst Verstörung drohte, versuchte Brecht, sich durch stoisches Aufrechterhalten laufender Arbeiten und seiner Gewohnheiten davon abzulenken. Daß er für den auf Michels Tod folgenden 5. September seinen normalen Tagesablauf vom Zeitunglesen bis zum Kriminalroman als „Plan für den Tag“ in sein Journal notierte, zeigt, daß er sich – ganz im Sinne seines Behaviorismus – dazu zwang. Ruth Berlau konnte es nie verwinden, daß er am 3. September nur notiert hatte: „Ruth wird operiert in Cedars of Lebanon.“[46]
Vom Kind Michel findet sich im Journal kein Wort. Dafür wurde sein Name fortan der Name von Grusches Kind im Kreidekreis. Eine Figur des Drehbuchs Silent Witness, das Brecht damals gerade mit Salka Viertel[47] entwarf, hieß ebenfalls Michel. Bei Salka Viertel brachte er Ruth Berlau auch unter, nachdem er sie aus dem Krankenhaus abgeholt hatte: „Die hatten ein kleines Zimmer für mich eingerichtet, und ich war noch sehr krank. Ich gehörte ins Krankenhaus, aber da wir nicht viel Geld hatten, mußten wir das so überbrücken.“ Es habe auch nicht lange gedauert, „bis Brecht meinte, es sei doch möglich, daß wir uns liebten. ... Beim ersten Mal ... kam nur ein „Oh Ruth!“ von ihm.[48] An Möglichkeiten des Trostes kannte er nur die körperliche Nähe und den unermüdlich wiederholten Versuch, das Geschehene mit Vernunft zu bewältigen: „Liebe, ich weiß nichts, was Dich mit Grund unruhig machen könne. Es sind jetzt mehr als zehn Jahre, daß wir einander nahe sind. Du bist mit mir über die halbe Welt gekommen, hast für mich gearbeitet, wie ich für Dich gearbeitet habe, und hast mir ein Kind geboren. Daß es uns gestorben ist, macht keinen Unterschied in dem, was es für uns bedeutet. Ich bin sehr froh, daß ich Dich nicht dabei verloren habe. So hat sich zwischen uns nichts geändert außer zum Guten, und vor uns stehen Jahre, die wir zusammen zu verbringen beabsichtigen. Es sind Schwierigkeiten da, aber nur die gewöhnlichen, keine neuen.“[49]
Aber Ruth Berlau konnte den Verlust des Kindes nicht wie er mittels rationaler Anstrengung verwinden. Während er sich aber nur vorstellen konnte, das Leben wie in den vergangenen Jahren fortzusetzen, warf Berlau die für sie offen scheinenden Fragen ihrer Beziehung auf, die für sie offene Wunden waren. Der Versuch, durch ein Kind wenigstens eine Art Gleichberechtigung neben Helene Weigel zu erreichen, konnte nicht wiederholt werden. Wie stand Brecht wirklich zu ihr? War er womöglich nur noch aus Mitleid mit ihr zusammen? Wie würde er in Zukunft zu ihr stehen?
Eine unbekannte Kurzgeschichte, deren Stil dem des Me-ti nahesteht, die aber nur als von Berlau getipptes Typoskript existiert, antwortet auf ihre Vorwürfe, daß er ein Spießerleben mit Ehefrau und Geliebter führe: Ein Spießer hätte seiner Frau keinen reinen Wein eingeschenkt und im Krankenhaus auch nicht seine häusliche Telephonnummer hinterlassen. Wahrscheinlich hätte er sich um seine Geliebte im Krankenhaus nicht einmal gekümmert und wäre durch ihren Tod womöglich erleichtert gewesen. Nicht so gefühlt und gehandelt zu haben, sei eine fortschrittliche Haltung, die Würdigung verdiene.[50] Das war eine Selbstverteidigungsrede Brechts, an der interessant ist, daß er Helene Weigel gegenüber wahrscheinlich ähnlich argumentierte. Brecht war zwar bestrebt, den Kreis der Menschen klein zu halten, die über das mit Ruth Berlau gezeugte und dann gestorbene Kind Bescheid wußten. Aber es war für ihn selbstverständlich, im Krankenhaus seine Telephonnummer zu hinterlassen. Aus der Verantwortung stahl er sich nicht.
Daß sich Ruth Berlau allmählich zu erholen schien, lag vor allem daran, daß sich auch andere Menschen um sie kümmerten, vor allem Salka Viertel und Louise und Hanns Eisler. In den Salons von Viertel und Eisler traf sie viele Prominente, mit denen sie Freundschaft schloß und wieder lachen lernte: Charles Laughton und Charles Chaplin.An der Frage, ob sie wieder nach New York gehen solle, entzündete sich Streit. Obwohl es nicht von der Hand zu weisen war, daß ihre Vermittlerfunktionen dort von großer Wichtigkeit waren, vermutete sie sicher richtig, daß Brecht sie auch aus Rücksicht gegenüber der Weigel lieber in New York sah. Immer wieder versprach er, daß er alles versuchen würde, so oft wie möglich zu kommen. „Ich glaube, Du mußt einfach wieder anfangen, Deine Arbeiten zu machen. Morgen.“ Er war froh, daß sie schließlich sagte: „Liebe ist nichts Kleinbürgerliches.“[51]
Ende März 1945 kehrte Berlau nach New York zurück. Auf ihre Bitte schickte er ein paar eigene Kinderfotos, „die eine leise Ähnlichkeit mit M. haben, ich meine im Typ. Liebe.“[52] Das war die einzige Möglichkeit für sie, sich Michel vorzustellen.Als er sie im Mai besuchte, erschien sie stabilisiert. Als er im Juli abreiste, sich eine psychotische Spirale in Gang, die Berlau zeitweise als Todesangst erlebte und die sie zur Jahreswende schließlich in die geschlossene Abteilung des St. Oaks Hospitals brachte: die gefürchtete Parallele zum Schicksal der Schwester erfüllte sich. Aber sie mußte nur zwei Monate bleiben.
Wahrscheinlich von 1950 stammt eine Novelle Ruth Berlaus, die als erneuter Versuch gelten kann, traumatische Lebenserfahrungen literarisch zu bewältigen: den Tod des kleinen Michel und immer noch Ediths Schicksal. Daß diese durch eine Psychiatriereform nach fünfzehnjähriger Einsperrung freikam, nützte ihr zunächst wenig. Der dänische Staat gewährte kaum Mittel zur Resozialisierung. Aber weder Mutter noch Schwester konnten Edith ein Zuhause bieten, sie lebte noch jahrelang in der offenen Abteilung ihrer Klinik. Berlaus Schmerz über Edith war nun durch den Schuldkomplex erweitert, ihr nur helfen zu können, wenn sie Brecht verließ. Das war ihr trotz der Dauerkrise unmöglich.
Die Novelle Die Jacke aus Sibirien und der Pelz aus Norwegen entstand wohl nach Vorhaltungen Brechts, daß auch andere Menschen schwere Schicksalsschläge zu verkraften hätten. Deshalb konstruierte sie eine Geschichte mit Menschen, die Gemeinsamkeiten mit Edith, Michel und mit ihr selbst hatten. Einer „Jacke aus Sibirien“ war sie im Zug zwischen Berlin und Leipzig[53] begegnet, wo sie mit Kriegsheimkehrern gesprochen hatte. Einer trug eine dicke Wattejacke, die aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft stammte.[54] Auch die Weihnachtsparty, von der hier erzählt wird, hat Berlau wahrscheinlich tatsächlich gegeben.
Ein von den Nazis Verfolgter namens Richard erzählt, daß seine Frau, während sie mit dem gemeinsamen Neugeborenen im Luftschutzkeller saß, erschlagen wurde, weil sie gesagt hatte, daß sie nur noch auf die Russen warte. Ein Arzt, der im selben Keller war, brachte das Kind ins Krankenhaus:
Er war ja nur 9 Tage alt. Sie soll ihn Michel genannt haben. // Michel – ja du deutscher Michel. // Michel starb im Hospital. Der junge Mediziner hat, sagt er, alles getan, um den Kleinen am Leben zu halten. Der soll so schön gewesen sein, ganz schwarze Augen und gar nicht, so wie viele Neugeborene, häßlich. Haare hatte er auch. Ganz schwarze Haare, sagt man mir. // Ich habe ihn nie gesehen! // Meinen Sohn. // Ich habe diesen, meinen kleinen Sohn nie gesehen.“ Ihre eigenen Gefühle über den Tod ihres Kindes übertrug Berlau auf diesen fiktiven Vater, in den dann aber auch von ihr vermutete Haltungen Brechts einflossen. Der Verfolgte konnte nur heimlich und kurz bei seiner Frau sein: „... die Wärme, die hundert Küsse, die sie mir gab, diese Umarmungen machten Michel. Soll ich nun ein schlechtes Gewissen haben? War es für sie schwierig, ihn zu tragen? Nein, ich weiß, es war ihr eine große Freude – sie war dann nie allein. // Nie allein! ... Meine Frau hieß Ruth.
Mittlerweile hatte Richard ein Liebesverhältnis mit einer Frau namens Edith: „Ediths Augen sind blau. Direkt schauen sie dich an, immer sozusagen Aug in Auge – da gibt’s keine Flucht. Ab und zu denke ich: Sie liest dir einfach deine Gedanken ab! So direkt schaut sie. Ich liebe Edith.“ In der Geschichte verschmelzen Edith und die Erzählerin des öfteren, tauschen die Rollen – ein Zeichen, daß Ruth Berlau sich immer noch mit ihrer Schwester identifizierte. Wie in Regnen ist auch hier immer wieder Brechts Stimme der Vernunft zu hören:
Warum wollte sie auch immer weiter in ihrem Schmerz bohren? Zwar habe ich auch mehrmals vor der kleinen Urne im Krematorium gestanden, der so kleinen Urne mit Michels Asche. Aber mal muß man darüber wegkommen – vergessen nie, das ist schon wahr – aber mein Gott, nicht hineinbohren. // Nach vorn schauen – nur nicht nach hinten. // Ich ging verbittert wieder in die Stube. – Edith blieb draußen, um ihre verdammte Kassiopeia zu suchen.[55]
Daß das FBI außer der Beziehung zu Ruth Berlau keine weiteren außerehelichen Affairen Brechts in den USA aufspürte, läßt vermuten, daß die öffentliche Phantasie darüber auf die Eifersuchtsphantasien Berlaus zurückgehen. In Berlin wollte sich Brecht jedoch für sie nicht mehr hundertprozentig opfern und ging offen Beziehungen zu anderen Frauen ein. Darauf reagierte sie mit Alkoholexzessen und Selbstmorddrohungen. Das führte erneut zu Aufenthalten in psychiatrische Kliniken, die kaum Besserung brachten.
Als Brecht am 14. August 1956 starb, befand sich Ruth Berlau seit einem Dreivierteljahr in Dänemark. Einen Tag zuvor hatte ein Makler im Auftrag Brechts ein Haus für sie erworben. Brecht hoffte, daß ihr der gelegentliche Rückzug in dieses Haus künftig den Weg in die Psychiatrie ersparen könnte, wenn die Spannungszustände zwischen ihnen einmal wieder zu groß werden würden. Nachdem sie die Todesnachricht erhalten hatte, reiste Berlau sofort nach Berlin zurück. Dort kümmerte sich Eva Strittmatter um sie. Weigel muß gewußt haben, daß Berlaus Verlustschmerz wegen Michel auch deshalb nicht abnahm, weil sie es weder lebend noch tot gesehen hatte. Jedenfalls gab sie ihr Gelegenheit, eine Weile mit dem Toten allein zu sein, bevor er am 17. August begraben wurde. Dafür war sie ihr sehr dankbar.[56] Berlau gehörte auch zu den wenigen, die einen Abguß der Totenmaske bekamen. Den Kauf des Hauses stellte Weigel nicht in Frage.
Ruth Berlau war seltsam gefaßt. Ihre Fähigkeit zu rationalen Entscheidungen gerade in dieser Situation war erstaunlich. Es zeigte sich, daß Brechts Tod für sie eine Erlösung darstellte. Schon am 18. August schrieb sie einen Brief an die Intendanz des Berliner Ensembles, in dem sie anspruchsvolle Bedingungen für die weitere Zusammenarbeit stellte. Der Brief zeugt jedoch von verfehlter Selbsteinschätzung:
Liebe Freunde, ich möchte euch mitteilen, dass, wenn Ihr meine Arbeit weiterhin braucht, ich auf folgendem Vertrag bestehe: // Mindestgage: 1500,00 // Jährlich eine Matinee unter meiner Regie // Jährlich eine Kindervorstellung unter meiner Regie, von Kindern gespielt für Erwachsene // Ab und zu Umbesetzungsproben bei Stücken, deren Regie ich kenne, // Mir die Möglichkeit zur Verwirklichung meiner schöpferischen Einfälle zu geben, z. B. jeden zweiten Monat eine Nachmittagsvorstellung für Bäckerlehrlinge und Bäcker.“[57]
Die „Bäckerlehrlinge und Bäcker“ stehen für freundschaftliche Kontakte, die Berlau zu einer Gruppe Jugendlicher unterhielt. Sie standen jedoch stellvertretend für Nachtarbeiter, für die die berühmten Sonntagsmatineen des BE zeitlich ungünstig lagen. Außerdem schlug sie vor, die Modellbücher weiter herauszugeben, für die sie mit Brecht zusammen Verlagsverträge hatte. Um diese sicherzustellen, schrieb sie auch schnell recht geschickt an Kulturminister Becher.[58]
In Dänemark versuchte sie ebenfalls sofort, strategische Weichen zu stellen – und zwar für eine von ihr herauszugebende Brecht-Ausgabe,[59] die –ähnlich wie ihr Buch über Brecht nicht – nicht zustande kam. An ihrem 50. Geburtstag, am 24. August, flog sie nach Dänemark, in ihr „Bauernhaus mit Strohdach“, Brecht habe es auch für sich gekauft, schrieb sie an Elisabeth Bergner, um in Ruhe arbeiten zu können, „sein buckow war zu nah [an] berlin“. Hier, in Dänemark habe er sein Einstein-Stück vollenden wollen.[60] Berlau schöpfte Kraft daraus, daß sie Brecht jetzt leichter nach ihren Wünschen interpretieren konnte. Tot schien er ihr mehr, ja ganz zu gehören.
„[...]schlimmer wird’s, wenn ich es mal richtig glaube“, hatte Ruth Berlau in ihrem Brief an Elisabeth Bergner geschrieben. Richtig zu glauben, daß Brecht tot war, gelang ihr erst Monate später. Sie erinnerte sich, daß das Thema ´Ausruhen` zwischen ihnen stets eine Kontroverse ausgelöst hatte. Er selbst war gegen das Ausruhen ansich, das sie aber immer nötiger hatte. Brecht dagegen wollte nicht Ruhe von, sondern für die Arbeit. „Jetzt ruht er sich aus – ruht sich aus in dieser kleinen smalen Kiste.“
Als spräche ich früher zu ihm
So spreche ich jetzt zu meiner Flasche
Bist du da? Hallo –
Ohne dich kann ich nicht atmen –
Da ist ein Stern
Ein Stern ist irgendwo
Den möchte ich mit ihm zusammen noch mal anschauen
Ich sage mir: Seine Hand wird
Kalt sein in der deinen.
Seit der Emigrant zurückkehrte
Was erwartest du dir?
Da halte ich die kalte
Hand der Welt in meiner Hand.[61]
Hilde Eisler, die Ruth Berlau seit ihrer
Zeit in den USA gut kannte und jetzt Chefredakteurin der
Unterhaltungszeitschrift Das Magazin war, gestatte ihr oft Artikel über Brecht, in denen
sich oft Hinweise auf die enge Beziehung fanden:
Wir glauben ja doch nicht, dass er tot ist,
selbst wenn wir vor seinem Grab stehen, gelehnt an den jungen Birkenbaum mit
der leuchtend weißen Rinde. Aber an dem Granitstein stehts’s doch... Immer ein
Kind mitnehmend, wenn ich dorthin gehe, höre ich Michael sagen, nachdem er die
Blumen begossen hat mit einer kleinen blauen Kanne, die er selbst ausgesucht
hat für diesen Ausflug: „Ich hol noch Wasser für den Birkenbaum...“ Sorgfältig
begießt Michael den jungen Birkenbaum, aus dessen unheimlich lebendigen
Blättern es mir zuwispert: ´Ruhe kriegt man nur im Grab...´ So sagte Brecht mir einmal, als ich
Ruhe nötig hatte und wagte, es auszusprechen.“[62]
[1] Diese u. a. Informationen
stammen aus dem handgeschriebenen Tagebuch 1930-1935 RBs (Privatkopie aus Dänemark.
Die Berlau-Erben bahelten sich das Recht der wörtlichen Wiedergabe vor. Für
meine Berlau-Biographie Mein Herz liegt neben der Schreibmaschine, Algier, Editions Lalla Moulati
2006, erhielt ich die Erlaubnis der inhaltlichen Wiedergabe).
[2] Hans Christian Nørregaard: Berlau
ohne Brecht. In: The
Brecht Yearbook 30, 2005, S. 159.
[3] Zeile aus
dem Gedicht: „Allem, was du empfindest gib // Die kleinste Größe“, BFA 14, S. 456.
[4] Zeile aus dem Gedicht: „Allem,
was du empfindest
gib // Die kleinste Größe“, BFA 14, S. 456.
[5] Dies geht aus dem im Folgenden
beschriebenen Gedicht Brechts hervor, sowie u. a. aus RBs Notiz, 15. 11. 1953,
BBA 971/37f.
[6] BFA 15, S.
351–352.
[7] BBA
508/21ff.
[8] Videre, Kopenhagen, Hasselbalch Forlag, 1935.
[9] Regnen, in: Ethvert dyr kan det, Kopenhagen, Arthur Jensens
Forlag, 1940, S. 141.
[10] „Die natürliche
Geschlechtsgemeinschaft ist nun entweder die nach der bloßen tierischen Natur [...], oder nach dem Gesetz. Die letztere ist die Ehe [...] Immanuel Kant: Die
Metaphysik der Sitten.(1774)
Die Rechtslehre, Erster Teil, Das Privatrecht,§ 24.
[11] Ethvert dyr , a. a. O., S. 129–140.
[12] Ebd.
[13] Sabine Kebir: Mein Herz liegt
neben der Schreibmaschine,
Algier, Editions Lalla Moulati, 2006.
[14] John Broadus
Watson (1878-1958), 1914: Behavior: A Textbook of Comparative Psychology. W. erklärte wie Pawlow das Verhalten von Menschen, Tieren
aber auch menschlicher Gruppen aus Umwelteinflüssen. Brechts Nachlaß soll 1976
noch W.s Behaviorism enthalten haben. Siehe: Meinhard Adler:
Brecht im Spiel der technischen Zeit. Naturwissenschaftliche, psychologische
und wissenschaftstheoretische Kategorien im Werk Brechts, Friedrich Nolte Verlag. Berlin 1976, S. 47.
[15] Erdmut Wizisla: Benjamin und
Brecht,
Frankfurt am Main, Suhrkamp, 2005, S. 82. Wie aus Kessers Tagebuchaufzeichnungen
über Brecht 1930–1963, Sinn und Form November/Dezember 2004)
hervorgeht, war er Brechts Gewährsmann in Sachen Behaviorismus.
[16] Zit. n.: Hansjürgen Rosenbauer: Brechts
unmarxistischer Ziehvater.
(=Watson) In: Frankfurter Rundschau, 16. 11. 1968. Siehe auch ders.: Brecht und der
Behaviorismus, Bad Homburg,
Berlin, Zürich, Gehlen, 1970.
[17] Kesser: Tagebuch a. a. O., S. 743 Am 1. 2. 1935 steht: „Symbol und Gestus oder Über den Gestus. Achselzucken ist ein Wort
(Aussage)...“, ebd., S. 746.
[18] Ruth Berlau/Hans Bunge:
Brechts lai-Tu, Berlin,
Eulenspiegel-Verlag, 1987, S. 232.
[19] BFA 14, S. 94–95. Laut
Zeilenkommentar: um 1930. Wahrscheinlicher ist dänische Zeit.
[20] Ruth Berlau Archiv Hoffmann in
Kopenhagen (im Folgenden: RBAHKOP). Auch die in Brechts Gedicht erwähnte
Zuwendung zur Religion könnte auf Edith deuten, die für spätere Lebensphasen
erwiesen ist.
[21] BBA 827/30. Neben Ich weiß
wenn ich nicht funktioniere
befinden sich auf dem Block Erstschriften von Gedichten, die Bezug zu RB haben
wie Wenn ich in deinem Wagen fahre, Der, den ich liebe und Wenn sie trinkt fällt sie in
jedes Bett.
[22] BFA 22/1, S. 593.
[23] Brecht und die Tugenden, in: Berlau/ Bunge,. S. 286.
[24] BFA 18, S. 138f.
[25] BFA 27,
S. 200.
[26] Eleonora von Tranaborg
(Pseudonym RBs): Rakkautta Suomea kohtaan. Transkatar tuli katsomaan
tuhatjärvien maata
[Liebe zu Finnland. Eine Dänin sieht das Land der Tausend Seen], in: Eeva, März 1941, S. 8. Übersetzung:
Yrjö Varpio. Das dänische Manuskript enthält anderswo deutsche Diktatspuren
Brechts. Der Traum entspricht
jedoch der Gefühlswelt RBs.
[27] RB an Mogens Voltelen, 12. 9. 1940, BBA E8/63.
[28] Brecht an RB, November 1940, BFA 29, S. 192.
[29] BFA 27, S. 106–107.
[30] BFA 15, S. 84, dat.: 25. 1. 1943.
[31] BBA 2166/117.
[32] Brecht an RB, 29. 3. 1944, BFA 29, S. 326.
[33] Brecht an RB, 23. 5. 1944,
ebd, S. 337.
[34] BBA
2166/148.
[35] Brecht an RB, 5. 4. 1944, BFA 29, S. 327.
[36] Brecht an RB, 20. 4. 1944, ebd,
S. 331.
[37] Brecht an RB, 20. 4. 1944, ebd.,
S. 331.
[38] Brecht an RB, 27. 4. 1944,
ebd., S. 332.
[39] BBA
2166/130–131.
[40] BBA Z
53/136.
[41] BBA Z
12/71.
[42] BFA 27, S. 201.
[43] BBA
2166/148. Siehe
auch: RBA 166.
[44] Alexander Stephan: Neues vom
FBI. CNDI LA–BB–1: Die Überwachung von Brechts Telefon in Los
Angeles,
Typoskript, S. 16.
[45] Berlau/Bunge, S. 188f.
[46] BFA 27, S. 203.
[47] Salka Viertel, Frau des
Regisseurs Bertholt Viertel, beide mit Brecht befreundet. „Ruth Berlau war
Brechts Sekretärin, attraktiv und jung“ und jetzt übrigens ein „paying guest“.
- Salka Viertel: Das unbelehrbare Herz, Hamburg, Düsseldorf, Claassen Verlag
GmbH, 1970, S.412.) Sie hatte durch Drehbücher für Greta Garbo in Hollywood
Erfolg.
[48] BBA 2166/148.
[49] Brecht an RB. Mitte September
1944, - BFA
29, S. 339-340.
[50] RBA 301.
[51] Brecht an RB, 15. 11. 1944 (RBA
N 32), BFA
29, S. 258f, hier fälschlich 1942..
[52] Brecht an RB, März/April [1945],
ebd. S. 379. BFA irrtümlich: 1946.
[53] Ende 1949, Anfang 1950
inszenierte RB an den Leipziger Kammerspielen Die Mutter..
[54] RBAHKOP.
[55] Die Jacke aus Sibirien und
der Pelz aus Norwegen,
BBA 977/102ff.
[56] Brænende – men vorbrændt,
Radiofeature von Rudi Hassing, 1985.
[57] RB an die Intendanz des BE, 18.
8. 1956, KBK 1 utilg 841
[58] Berlau an Lilly und Johannes R.
Becher [Ende Aug. 1956], RBAKOP.
[59] RBA N
211.
[60] RBs Wunsch, daß Brecht das Haus für sich
gekauft hätte, wurde Legende: Eine Fotoreportage über den heutigen Zustand des
Hauses behauptet, der „weltberühmte Dichter“ hätte mehrere Jahre darin
gewohnt. Helen Kaas, Marianne
Fryland: Brecht-Huset, en Landling Oase, in Femina 33/1991, S. 70f.
[61] RBA N 245.
[62] Der Kapitän und sein Schiff, in: Das Magazin 10/1967.
